Der Städtebaupreis

Der vor mehr als 25 Jahren ins Leben gerufene Deutsche Städtebaupreis dient der Förderung einer zukunftsweisenden Planungskultur und Stadtbaukunst.

Mit dem Städtebaupreis werden in der Bundesrepublik Deutschland realisierte städtebauliche Projekte prämiert, die sich durch nachhaltige und innovative Beiträge zur Stadtbaukultur sowie zur räumlichen Entwicklung im städtischen und ländlichen Kontext auszeichnen.

Mit seinem ganzheitlichen Anspruch fordert der Städtebaupreis die Bauherren und die Auftragnehmer heraus, interdisziplinär, weitsichtig und nachhaltig zusammenzuarbeiten sowie wegweisende Projekte zu entwickeln, die den Ansprüchen der Gesellschaft nicht nur entsprechen, sondern diese auch mit formen.
Der Preis wird in zwei Sparten vergeben. Neben dem „klassischen“ Städtebaupreis wird ein Sonderpreis ausgelobt, der vor allem dem „Aufspüren“ neuer städtebaulicher und stadtplanerischer Handlungsfelder, Strategien und Verfahrenswege dient.

In den letzten Jahren hat es unterschiedliche Ansätze zur Lösung der sich abzeichnenden Handlungsfelder gegeben. Diese unterscheiden sich von Stadt zu Stadt und innerhalb der Städte erheblich. Der Alltag der Städte wird davon heute - ob wir das wollen oder nicht - geprägt. Diese Situation wahrzunehmen ist der erste Schritt zur Lösung der Zukunftsaufgaben, nicht nur, aber eben auch mit den Mitteln von Städtebau, Regional- und Stadtplanung.

Die ausgezeichneten Arbeiten haben sich in unterschiedlicher Weise und auf unterschiedlichen Feldern von Städtebau und Stadtplanung dieser Aufgabe gestellt. Die Spannweite reicht von der Bewahrung der historischen Altstädte unter Beachtung zukünftiger Nutzungen bis hin zu strategischen Ansätzen für die Weiterentwicklung der deutschen Städte im Kontext des Leitbildes der „Europäischen Stadt“, vom Bauen in den Städten und an ihrer Peripherie.

Der Preis wird von der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung ausgelobt. Er wird gefördert von der Wüstenrot Stiftung Ludwigsburg. Schirmherr ist Christian Ude, Präsident des Deutschen Städtetages.

Ein Vorwort

Jedes neue Bauwerk verändert den Ort, an dem es erreichtet wird, und wirkt nachhaltig auf seine Umgebung. Aus dem Verhältnis vieler Bauten zueinander ergibt sich das Siedlungsbild. In der Architektur und im Siedlungsbild tritt offen zu Tage, wie das Verhältnis der einzelnen Bauherren und Bewohner zueinander beschaffen ist und welche Art der Abstimmung es gibt zwischen den Bedürfnissen und Lebenszielen des Einzelnen und den Belangen der Gemeinschaft. Wie steht es heute mit der Sicherung der Belange, wie andererseits mit den gegenwärtigen Entwicklungschancen. In dem Maße, wie die Ressourcen - inzwischen auch die Ressource „Humankapital“ – knapper werden, in dem Maße auch, wie der technische Fortschritt im Umgang mit den Existenz- und Produktionsmitteln zu immer komplizierteren Strukturen führt, bedarf es übergeordneter Regeln. Es gilt, das Gemeinwesen mit diesen selbstgesetzten Bestimmungen optimal zu ordnen und die gemeinsame Nutzung des Siedlungsraum gleichgewichtig zu koordinieren. Soweit dieses ordnende Regeln und Koordinieren die räumliche Verteilung und Verflechtung der Nutzungen wie auch die bauliche Erscheinung unserer Gemeinwesen betrifft, sprechen wir von Stadtplanung. Deren Verwirklichung ist Städtebau. Mit Städtebau treffen wir Grundentscheidungen über Gestalt und Gesicht unserer Städte, Dörfer und Landgemeinden.

…ein schwer zugängliches Handlungsfeld…Da heute im Leben des Einzelnen und ebenso in der existenzsichernden Struktur der Gemeinwesen alles mit allem zusammenhängt, geht Städtebau notwendig aus einem nicht leicht zu durchschauenden, sehr komplexen Geflecht politischer, wirt­schaftlicher. sozialer und kultureller Entscheidungen hervor. Er erweist sich als ein schwierig zu behandelndes und noch schwieriger darzustellendes Feld konkreten öffentlichen Handelns. Als solches wird es mehr und mehr den Experten und Fachbeamten überantwortet. Selbst weitreichende und entsprechend folgenreiche Entscheidungen werden in der Öffentlichkeit oft nur beiläufig behandelt, die Ergebnisse dieser Entscheidungen in der Regel unkritisch beschrieben oder bestenfalls als Geschmackssache beurteilt. Das muss sich ändern.

…von Verantwortlichen in der Wirtschaft als Gemeinschaftsaufgabe erkannt und gefördert…

Während die Architektur längst Gegenstand vieler Auszeichnungen und Preiswettbewerbe ist, ging der Städtebau leer aus. Im Jahr 1980 kam die BfG Bank AG auf die Idee, zur Förderung des Städtebaus in Deutschland alljährlich einen besonderen Preis, den Deutschen Städtebaupreis, auszuloben. Ihrem langjährigen Vorstandsvorsitzenden Walter Hesselbach gewidmet, sollte diese Auszeichnung einen kontinuierlichen Beitrag zur Erneuerung von Stadtkultur und Stadtbaukultur leisten und dem Städtebau öffentliche Geltung verschaffen helfen. Mit den prämierten Planungen sollen hervorragende, musterhafte Beispiele einer weiteren Öffentlichkeit vorgestellt werden und so über fachliche Grenzen hinweg zur Auseinandersetzung mit städtebaulicher Gestaltung anregen. Bis zum Jahre 2004 hat die SEB Bank den Preis unter fachlicher Betreuung der Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung e. V. weitergeführt. Die Wüstenrot Stiftung hat im Jahre 2006 das Anliegen der Gründer des Deutschen Städtebaupreises aufgenommen und führt in Zusammenarbeit mit der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung e. V. den Preis fort.

…durch einen besonderen Preis…

die Wüstenrot Stiftung hat den Deutschen Städtebaupreis in zweijährigem Rhythmus mit einer Preissumme von 15 000 Euro ausgestattet, die in der Regel ungeteilt vergeben werden soll. Die Entscheidung über die Zuerkennung des Preises ist einer unabhängigen Jury übertragen. Die Jury tritt zweimal zusammen: Auf der ersten Sitzung wird aus den Bewerbungen eine engere Wahl zur Überprüfung an Ort und Stelle getroffen; die zweite Zusammenkunft beginnt mit dem Austausch der Erfahrungen, die bei den Ortsbegehungen gemacht wurden; anschließend wird über die Vergabe des Preises entschieden und gegebenenfalls zusätzlich diese oder jene besondere Anerkennung ausgesprochen. Um aktuelle, jedoch zeitweilig hintan geratene oder gar verdrängte Aufgaben städtebaulicher Gestaltung mit Nachdruck kenntlich zu machen, wird seit 1997 zusätzlich ein thematisch gebundener Sonderpreis mit einer Preissumme von 5 000 Euro vergeben. Hier geht es – auch – um die Auszeichnung von Verfahren, Methoden, Prozessen, die dem Gemeinwesen und seiner baulichen Ausformung zugute kommen. Das Thema dieses Sonderpreises bestimmt – mit Billigung der Ausloberin – der Wissenschaftliche Beirat, der auch das Symposium zur Preisverleihung vorbereitet.

…als strenge Instanz schon Tradition.

Die mit dem Deutschen Städtebaupreis ausgezeichneten Arbeiten spiegeln ohne sonderliches Zutun jenes komplexe Bild von Städtebau wider, das immer stärker auch ins Bewusstsein der Öffentlichkeit tritt. Sie tragen damit auch wesentlich zu dem Anliegen der in Gründung befindlichen „Stiftung Baukultur“ bei. Die Preisverleihung wird mit einem Symposium verbunden, das – neben der Würdigung der Preise und Preisträger – sich dem aktuellen Austausch zwischen den verschiedenen an Städtebau und Stadtplanung Beteiligten und Betroffenen widmet. Wenn es nicht gelingt, den Diskurs über die Bedeutung einer nachhaltigen Entwicklung der Städte, der Dörfer und der Regionen in der Gesellschaft offen zu führen, bleibt die Fachwelt unter sich und ohne das notwendige Echo, ohne die belebenden Impulse der kritischen und zum Mittun bereiten Öffentlichkeit.

Möge es dem Deutschen Städtebaupreis gelingen, durch beispielhafte Beiträge – der Preisträger und aller Bewerber – Mut zu machen, beharrlich den fruchtbaren Diskurs in Wort, Vision, Entwurf und Tat zwischen den Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes zu führen und so der Stadt Bestes zu suchen.
Ulrich Conrads